Unser Naturgarten – eine Zierde fürs Auge & die Seele
Biophilie bedeutet wörtlich „Liebe zum Leben“ oder zur Natur.
In Anbetracht der üppigen Blütenpracht von lauter insektenfreundlichen Stauden & Gräser auf dem oberen Bild, können wir uns kaum noch vorstellen, wie langweilig und trist, es hier noch 2023 bei uns aussah. Das links nebenstehende Bild spricht da wirklich eine eindeutige Sprache, ja es war schön grün und es gab einige wenige Obstbaumblüten, aber ansonsten nur Rasen und Eintönigkeit.
Im Herbst 2023 haben wir beschlossen in unserem Garten einen Raum für Biodiversität & Vielfalt zu schaffen und um möglichst vielen Tierarten hier einen Lebensraum zu bieten, müssen wir bei den Kleinsten anfangen. Uns war schnell klar, wir brauchen keine Insektenhotels – Nein, unser gesamter Garten soll den Insekten ein Zuhause bieten!
Insekten sind die artenreichste Gruppe aller Lebewesen, sie machen mehr als 60 Prozent aller Tierarten weltweit aus. Sie erfüllen wesentliche ökologische Funktionen in Nahrungs- und Stoffkreisläufen:
Insekten bestäuben den Großteil der Wild- und Kulturpflanzen. Viele Pflanzen locken mit ihren Blüten, Duftstoffen und Farben gezielt Insekten an, damit sie ihre Pollen transportieren und somit ihre Fortpflanzung und Verbreitung garantieren. Im Gegenzug für diese Bestäubungsleistung erhalten die Insekten von der Pflanze Nektar, Pollen oder Öle.
Zu den bestäubenden Insekten gehören Wildbienen, Fliegen, Schmetterlinge und Käfer. Würde die Bestäubung durch Insekten fehlen, wären insbesondere der Obst und Gemüseanbau, aber auch der Anbau von Ackerkulturpflanzen massiv beeinträchtigt, es käme zu Ernteausfällen mit verheerenden Folgen für die menschliche Nahrungsversorgung!
Insekten tragen somit maßgeblich zum Erhalt der Vielfalt heimischer Wildpflanzen bei und sichern außerdem wesentliche Anteile der Welternährung. Insekten sind Nahrungsgrundlage für viele Tiere. Andere Insekten, Spinnen, Vögel, Amphibien, Reptilien und Säugetiere ernähren sich oftmals von Insekten. Ein Rückgang der Insektenvielfalt und -masse wirkt sich bereits jetzt dramatisch auf die genannten Tiergruppen aus, da sie schlichtweg keine Nahrung mehr finden. Als Folge werden diese gemeinsam mit den Insekten immer seltener. Insekten zersetzen pflanzliches und tierisches Material. Sie übernehmen damit wichtige Funktionen in Ökosystemen.
Beispielsweise sind sie an der Humusbildung beteiligt und tragen so wesentlich zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit bei. Im Wasser lebende Insektenlarven fördern die Selbstreinigung von Gewässern. Auch die Zersetzung von Totholz und anderem organischem Material geschieht durch Insekten. Durch das Fehlen von Insekten werden zahlreiche Ökosysteme nachhaltig gestört.
Gärten, wie auch früher der Unsere (siehe Foto rechts) , die größtenteils aus einer Rasenfläche bestehen und nur wenige heimische und für die Region typische Bepflanzungen aufweisen, bieten leider nur sehr wenigen Insekten und damit auch anderen Tieren, ein Zuhause.
Inzwischen haben wir weit über 2000 Neupflanzungen in unserem Garten getätigt, von Bäumen, Großsträuchern, Ziersträucher, Heckenpflanzen über Gräsern, Farne, Bodendeckern bis hin zu Pracht- und Wildstauden. Dabei immer das Hauptaugenmerk auf den Nutzen für die Insekten & Tierwelt gelegt und bevorzugt heimische Arten, aber auch Sorten gewählt. Nicht unerwähnt bleiben sollten an dieser Stelle auch die mehrere Tausend Blumenzwiebeln von botanischen Tulpen, Narzissen & Krokussen welche wir bisher bereits vergraben haben.
Hier ein ganz kleiner Auszug unserer fleißigen Mitbewohner
Das magische Rosen-Duo, das unser Zuhause verzauberte
Doch mit reichlich Neupflanzungen alleine ist es nicht getan, natürlich mussten wir auch Lebensräume schaffen. Neben Benjeshecken, Totholz, Reisighaufen, Sandarium & Trockenmauern, von denen wir an anderer Stelle auf dieser Website noch berichten werden – gehört Wasser zu den wichtigsten Elementen im naturnahem Garten.
Überall auf unserem Grundstück verteilt haben wir Tränken für unsere tierischen Mitbewohner aufgestellt. Da finden sich klassische Vogeltränken, Wasserschalen für Igel und andere Säugetiere, kleine Wasserspiele und auch jede Menge bepflanzte Wasserschalen. Ein großer Wunsch ist es auch noch eine Art Bachlauf in unserem Garten zu intrigieren, doch bis es soweit ist, erfreuen wir uns erstmal an unseren beiden Teichen.
Eigentlich sind es wohl gar keine richtigen Teiche, vielleicht eher Tümpel, denn es schwimmen darin keine Fische und es laufen auch keine Pumpen oder Filteranlagen. Wir setzen auf jede Menge Pflanzen im Wasser und ergänzen mit effektiven Mikroorganismen, ganz nach Bedarf. Die erste dieser beiden Wasserstellen im Garten befindet sich in unmittelbarer Nähe zu unserer Terrasse, die zweite weiter hinten im Waldgarten. Davon berichte ich dann auf der entsprechenden Seite weiter.
Ein immer wieder besonders faszinierender Anblick ist es, wenn sich eine Ringelnatter auf den Steinen am Wasser in der Sonne aufwärmt und anschließend dann im Wasser abtaucht.
Nicht nur im, sondern auch um die Wasserstelle herum kann man gar nicht genug Pflanzen haben. Hierdurch ergibt sich ein harmonisches Gesamtbild und diese Uferzone bietet z.B. auch den Fröschen einen Rückzugsort. Wie überall im Garten schneiden wir im Herbst nichts zurück, auch keine Wasserpflanzen und warten mit dem Rückschnitt bis zum Frühling und damit meinen wir nicht die ersten wärmeren Tage im Jahr, an denen in vielen Gärten schon wieder fleißig gearbeitet wird. Bei uns beginnt der Rückschnitt erst, wenn wir an sieben Tagen hintereinander über 10°C haben, damit auch die Insekten in Ruhe in den Frühling starten können.
Dann steigt einer von uns vorsichtig ins Wasser, schneidet die meisten Wasserpflanzen kurz unter der Wasseroberfläche ab und anschließend holen wir diese Pflanzenteile sorgsam aus dem Wasser. Im Vollfrühling gibt es eine Gabe Effektive Mikroorganismen ins Wasser und anschließend überlassen wir hier voller Vertrauen, alles ganz den natürlichen Prozessen.
Die Wasserstelle hier am Haus haben wir im Frühjahr 2024 angelegt und im folgendem Herbst bepflanzt, hierbei haben wir heimische Pflanzen gewählt und die ersten Pflanzen, wie der Blutweiderich haben sich dort im Wasser 2025 von ganz alleine angesiedelt.
Wie bereits geschrieben haben wir keine Tiere wie z.B. Fische ins Wasser gesetzt und dennoch hat sich dort schon nach kurzer Zeit reichlich Leben eingefunden.
Auch Pflanzen, wie der bei uns sogar ganz im Wasser stehende, Strauß-Gilbweiderich (Lysimachia thyrsiflora) ist in Deutschland heimisch und Nahrungsquelle sowie Lebensraum für Bienen und Schmetterlingsraupen. Daher schneiden wir ihn auch erst im Frühjahr zurück, so können die Insekten dort in Sicherheit überwintern.
Leider steht auch der Strauß-Gilbweiderich inzwischen auf der Roten Liste – Vorwarnstufe. Wir hoffen, dass er sich bei uns gut ausbreitet und wir so zum Erhalt seiner Art beitragen können.